Kommentar zum Golfmarkt-Bericht 2021

Teil 2 – Golf und das ewige Imageproblem

Von Emilie Jahnke


Im Frühjahr diesen Jahres hat die Sommerfeld AG in Zusammenarbeit mit Dr. Falk Billion und der IST-Hochschule den Bericht Golfmarkt Deutschland 2021 vorgestellt. Neben der Präsentation der wirtschaftlichen Kennzahlen und dem Abhandeln der Jahresthemen gab folgende Frage an Dr. Falk Billion: Welches ist aus Ihrer Sicht die höchste Einstiegshürde in den Golfsport?


Seine Antwort lautete: „Die höchste Einstiegshürde ist nach wie vor das Image des Golfsports bei Nichtgolfern. Nichtgolfer finden den Golfsport (fälschlicherweise) langweilig und empfinden manche Golfclubs wegen ihrer vermeintlich (oder tatsächlich) starren Regularien als abweisend.“


Hierzulande kämpft der Sport mit zahlreichen Vorurteilen – zu teuer, zu alt, zu elitär heißt es oft unter Nicht-Golfern. Diese Glaubenssätze schrecken ab und verhindern, dass sich mehr Menschen für den Golfsport begeistern, da muss ich Dr. Falk Billion Recht geben. Gilt der Sport seit jeher als „polarisierend“. Doch was genau bestimmt diese Wahrnehmung? Der Sport selbst, die GolfspielerInnen oder die Clubs? Wie lässt sich das Image verbessern und wie kommen wir dahin, dass mehr Menschen Golf spielen?


Seit einigen Jahren gibt der DGV Marktforschungsstudien in Auftrag, um diese Fragen zu beantworten und um Marketingstrategien zu entwickeln. Einerseits, um Interessenten für den Golf zu gewinnen und andererseits, um die Sportart auch weiterhin für alle GolferInnen attraktiv zu halten. Bislang werden Versuche zur Gewinnung von Neu- Mitgliedern meist über Imagekampagnen nach DGV-Anleitung unternommen. Eine Strategie die sich bald rächt?


Insbesondere die Golfclubs schüren das elitäre Bild und damit das negative Image weit mehr als die SpielerInnen oder die Sportart selbst. Eine Minderheit an Clubs mit exklusiven Rechten und Regularien prägen offenbar immer noch das Image des Sports. Und auch Lösungen zur Förderung der Golf-Begeisterung zwischen befragten GolfspielerInnen und Nicht-GolferInnen variieren erheblich. Selbstbild und Fremdbild liegen weit auseinander.


Wieso also nicht Verbote aufheben und Zugangsbarrieren einreißen? Denkt mal weiter: Keine Polo-Pflicht mehr, Blue Jeans und Smartphones wären erlaubt. Das wäre ein guter Ansatz, der niemandem weh tut, schnell gedacht und leicht umzusetzen.


Und die Träumerei eliterer Countryclub…. so einfach ist es eben nicht sich zu verjüngen. Bei alten Strukturen zu verharren bedeutet Stillstand. Ja, noch leben einige Clubs genau von diesem Image, die Warteliste zum Clubeintritt ist lang und sie sind offenbar nicht auf Golfeinsteiger angewiesen. Diesen Status unter Golfern werden sie für ein vermeintlich positiveres Image in der Bevölkerung auch nicht aufgeben. Aber es schadet massiv dem Breitensport.


Ein langfristiger Lösungsansatz würde vielleicht außerhalb exklusiver, regionaler Kreise ansetzen, gesamtgesellschaftliche Entwicklungen und Wahrnehmungen berücksichtigen sowie öffentliche Aufmerksamkeit schaffen. Nicht nur über die Imagepflege ansetzen, sondern auch Barrieren der Kostenfrage, des Zeitaufwands und eines wandelndes Freizeitverhaltens berücksichtigen. Und etwa ein flächendeckendes Angebot an Golfmöglichkeiten (Plätze, Driving Ranges, Golfsimulatoren-Studios), kostengünstige, unverbindliche Angebote die Sportart auszuprobieren, mehr mediale Präsenz und - darum kommt man nicht herum - eine Verjüngung der Sportart, durch mehr junge, engagierte Menschen und Fürsprecher für die Sportart, beinhalten.


Noch hat Golf ein öffentliches Imageproblem, aber vielleicht laden Sie mal zur nächsten Golfrunde auch einen Nicht-Golfer ein.


Quelle: https://serviceportal.dgv-intranet.de/files/pdf1/markt-daten_imagestudie_2016.pdf

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