New Work, New Work…

Carolina und Emmi sind im Kreativraum im Güntzelkiez, ich sitze am Schreibtisch in meinem Wohnzimmer, Joanna hat aus Kanada ein Loom-Video geschickt – wir sprechen im Daily unsere Aufgaben durch und dann macht jede in ihrem Rhythmus weiter.

Wir können uns die Arbeit am Tag selbst einteilen: Es wird auf die persönliche Situation Rücksicht genommen. Flexibles, mobiles Arbeiten, Familienfreundlichkeit und agile Methoden gehören einfach dazu. Ich arbeite also, wie ich es organisiere und wie es am besten läuft. Irgendwie durchpowern, verrenken oder Blockaden ignorieren – muss ich nicht. Das ist effizient und macht mich zufriedener. Im Team verlassen wir uns aufeinander. Freiheit und Vertrauen machen unsere Zusammenarbeit stark. Dazu gibt es eine optimale technische Ausstattung.


Ist das #NewWork? Für mich fühlt es sich definitiv so an.


New Work, der Begriff ist in aller Munde und wirft bei mir viele Fragen auf. Denn, egal wo ich etwas darüber lese oder höre – Neue Arbeit wird vielfältig definiert und interpretiert. Ich frage mich also: Was gehört zu New Work, was ist so neu an New Work und wann ist Arbeit neue Arbeit?


Ein Mann, eine Theorie

„Es ist ein schöner Gedanke, zu wissen, dass der Mann, der die Idee hinter New Work geprägt hat, am Ende zur Verkörperung seiner eigenen Philosophie wurde.“*

Im Jahr 1984 formulierte Frithjof Bergmann seine Theorie für ein neues Verständnis von Arbeit. Er legte den Grundstein für den strukturellen Wandel und die Transformation der Arbeitswelt, die Schritt für Schritt und seit der Pandemie im Sprint sichtbar wird: in verschiedenen Branchen, auf verschiedenen Wegen, durch unterschiedlichste Methoden, Modelle und Entwicklungen. Bedingt und begleitet durch die fortschreitende Digitalisierung, Globalisierung und die damit verbundenen neuen Anforderungen und Bedürfnisse von Arbeitnehmenden.


Im Buch „On the way to New Work“ von Swantje Allmers, Michael Trautmann und Christoph Magnussen fassen die Autor:innen das Wirken Bergmanns wie folgt zusammen:

Er begründete eine Idee, die Kulturen und Branchen verändert und Generationen überdauert und er zeigte uns, dass Arbeit nicht nur etwas sein kann, das wir gern tun, sondern eine Quelle für Lebensenergie.“*

Bergmann sah in der "alten Arbeit“ ein Modell, das den Menschen schwächt und krank macht. Er wollte diese Entwicklung umdrehen und dafür Möglichkeiten aufzeigen. Bei New Work geht also vor allem darum, den Mitarbeitenden mit seinen Fähigkeiten und individuellen Bedürfnissen in den Mittelpunkt zu stellen und so zu bestärken.


New Work umsetzen

Für viele Unternehmen bedeutet New Work somit den Abbau von klassischen Hierarchien und ein neues Mindest für das Thema Unternehmens- und Teamführung. Es muss nicht gleich die komplette Selbstorganisation sein, denn New Work gibt es nicht als Standard-Lösung. Es bedarf immer einer genauen Analyse für wen, was wirklich Sinn macht. Es braucht Geduld und Durchhaltevermögen. Jedes Unternehmen muss seine eigene Geschichte, seine speziellen Voraussetzungen und Bedingungen, Prozessabläufe und auch Empfindlichkeiten auf dem Weg zu New Work berücksichtigen. Nur so kann New Work als Kulturwandel auch Positives bewirken.


Als Start-up haben wir es da einfacher. Für uns ist New Work keine Zukunftsvision, sondern gelebte Realität. Wir sind direkt damit gestartet. Aber die Kunst ist, unsere Werte, Prozesse und Strukturen zu halten, zu wahren und immer wieder auch zu hinterfragen. Denn durch Veränderungen im Unternehmen kann das, was gerade noch super funktioniert hat, auf einmal großes Chaos hervorrufen. New Work ist also nie fertig. New Work hat nicht eine Definition, es hat viele Komponenten. Es ist eine Bewegung, ein Prozess und gehört immer weitergedacht. Und das ist gut so.

 

*Swantje Allmers/Christoph Magnussen/Michael Trautmann. On the Way to New Work, München: Verlag Franz Vahlen GmbH, 2022 , S. 4


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