Was'n da los auf'm Bau?

Warum dieser geringe Frauenanteil? Eine kleine Ursachenforschung


Frauen in der Baubranche sind immer noch eine Seltenheit. Nur 13 % aller Beschäftigen sind weiblich. Und wenn, dann sind sie am häufigsten in den Bereichen Architektur, Kalkulation, Bauingenieurwesen, Kartografie und Vermessung anzutreffen. Womit auch klar ist, dass die wenigsten von ihnen – höchstens 1,5 Prozent – direkt auf dem Bau arbeiten.

Der Branche fehlt es gravierend an Nachwuchs, egal ob weiblich, männlich oder divers. Wenn allerdings 50 % der Ausbildungssuchenden sie per se gar nicht in Erwägung ziehen, auch nicht wirklich verwunderlich.


Was hält Frauen also ab, in die Baubranche zu gehen?


Ich frage einfach mal so im Bekanntenkreis und auch bei meinen Kolleginnen nach. Hier eine kleine Auswahl der Antworten:


„Da verdient man nicht genug für die harte Arbeit.“

„Na, meine Eltern würden sich freuen, wenn ich auf dem Bau arbeite.“

„Ich habe doch keine Lust, mich die ganz Zeit blöd anmachen zu lassen.“

„Ich bin handwerklich echt unbegabt.“

„Habe ich eigentlich nie drüber nachgedacht.“

„Bauingenieurin könnte ich mir vorstellen, aber das Studium ist echt heftig, da brechen ganz viele ab.“



Allein in diesen Aussagen finden sich vielfältige Gründe für den Mangel an Bewerberinnen. Vorbehalte aufgrund der Akzeptanz als Frau bei den Kollegen, Angst vor Übergriffigkeit, Vergütung, Sichtbarkeit der Ausbildungsberufe, Anforderungsprofile nicht bekannt – und irgendwie schwingt immer mit, dass es für Frauen selbstverständlich ist, diese Branche nicht in Erwägung zu ziehen.


Tatsache ist, dass es dem weiblichen Geschlecht noch bis 1994 in den alten Bundesländern gesetzlich verboten war, im Bauhauptgewerbe zu arbeiten – das ist natürlich Futter für den Ruf als Männerdomäne mit einem veralteten Frauenbild. Und genau dagegen kämpfen viele Bauunternehmen an. Es gibt zahlreiche Berufe im Baugewerbe, die schwere körperliche Arbeit gar nicht implizieren und selbst wenn: Ich kenne starke Frauen, die locker ihre 100 Kilo stemmen, während etliche Männer in meinem Bekanntenkreis dazu nicht im Ansatz in der Lage sind. Von diesem Denken in Klischees gilt es, sich zu lösen. Es gibt keinen Job auf dem Bau mehr, den eine Frau nicht machen kann. Moderne Technik ersetzt hier zunehmend, was früher mit Muskelkraft gestemmt wurde und der Umgang mit komplexen Maschinen muss von allen erlernt werden.


Es fehlt an klarer, offener Kommunikation und an Transparenz der Branche und auch immer noch an Sichtbarkeit des Kulturwandels, der ja schon längst begonnen hat. Die Baubranche wird bunter, nachhaltiger und hat richtig viel zu tun. Und sie hat tolle Jobs zu bieten und kann das durchaus noch lauter verkünden. Wer von euch hätte gewusst, dass es über 200 Ausbildungsberufe gibt?

Von der Baggerfahrerin, Bautenschützerin, Dachdeckerin über die Fliesenlegerin, Gerüstbauerin, Malermeisterin, Maurermeisterin bis zur Stuckateurin. Die Bauingenieurinnen haben schon ordentlich Fahrtwind aufgenommen, hier sind mittlerweile 30 % der Studierenden weiblich. Und schaut man über die Landesgrenzen hinweg, können wir am Beispiel von USA, Asien und auch Afrika sehen, dass weibliche Fachkräfte auf dem Bau völlig normal sind. Die Denkmuster brechen zunehmend auf, denn auch im Baugewerbe ändern sich die Anforderungen der Arbeitnehmenden. Der Wunsch nach mehr Flexibilität, Ausgleich und Diversität dringt auch hier weiter vor. Aber es gibt noch viel zu tun, um den Frauenanteil ordentlich anzuheben.


Wir bei GOLFBLOCKS sind Teil dieser Branche und wollen nachhaltiges Bauen nach vorne bringen – als Frauenteam. Wir wollen über Herausforderungen sprechen, Erfahrungen teilen und gemeinsam weiterdenken. Es braucht den Austausch, um Lösungen zu finden.

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